Tipps zum Schweizer Radmarathon

Vorbereitung
Sorge dafür, dass Du genügend trainiert zu unseren Fernfahrten kommst.
Eine Faustregel sagt, dass man, um einen Wettkampf problemlos durchstehen zu können, etwa die zehnfache Wettkampfdistanz trainiert haben sollte.
Wenn Du dir genügend Zeit lässt, werden für die 300 Km-Strecke auch 1'500 Km Trainingsdistanz genügen. Für die 600 Km-Strecke solltest Du mindestens 2'500 Km trainiert haben.
Wenn Du auf der langen Strecke bei den Besten sein willst, oder beabsichtigst, Dich für das RAAM zu qualifizieren, sollten es mindestens 6000, besser 10'000 Km sein.

Die letzte Woche
Wir empfehlen, eine Woche vor der Fernfahrt eine grössere Trainingsdistanz (150 - 250 Km) am Stück zu fahren um den Körper auf die kommende Strapaze vorzubereiten. Die letzten Tage vor der Fernfahrt sollten jedoch der Erholung dienen. Es bringt nichts, fehlende Trainingskilometer jetzt noch aufholen zu wollen.
Viel Schlaf, kein Alkohol und kohlenhydratreiche Nahrung sind in den letzten Tagen das richtige Rezept um am Tag X in der optimalen Verfassung zu sein.

Während der Fernfahrt
Ein Marathon wird nicht auf den ersten Kilometern gewonnen, es kann aber auf den ersten Kilometern verloren werden!
Wenn die Spitzenfahrer ein Wahnsinntempo anschlagen, versuche nicht Ihnen zu folgen, wenn Du dich dabei überanstrengen musst.
Teile Deine Kräfte ein. Wer am Anfang zu schnell fährt, wird nach einigen Kilometern oder spätestens in den Aufstiegen mit dem "Hammermann" Bekannschaft machen.
Denke nicht an die ganze Strecke, sondern konzentriere Dich auf den nächsten Checkpoint. Damit hast Du ein erreichbares Ziel vor Augen. Plane genügend Pausen ein.

Verpflegung
Mache in den letzten Tagen vor und während der Fernfahrt keine Ernährungsexperimente. Iss was Dir schmeckt und was Du kennst.
Wir werden versuchen, Dich auf der Strecke genügend zu verpflegen. Denke daran, dass Dein Körper eine Menge an Kalorien verbrauchen wird und Du für genügend Nachschub sorgen solltest.
Halte immer etwas Reserveverpflegung in der Trikottasche.
Bei hohen Temperaturen wirst Du zwischen zwei Checkpoints zwei 7.5 dl-Bidons leertrinken, und am Checkpoint zusätzlich noch einige Becher leeren.
In der Schweiz steht fast in jedem Dorf ein Brunnen am Strassenrand, Wasser sollte also genügend vorhanden sein.

Ausrüstung
Kontrolliere Dein Rad vor der Fahrt. Wechsle abgefahrene Pneus, zerschlissene Bremsgummis und verzogene Ketten.
In der Nacht oder bei schlechtem Wetter kann es, vor allem auf den Pässen, empfindlich kalt werden. Eine lange Hose und eine Wind/Regenjacke sollten alle, die die Nacht durchfahren werden, mitführen. Bei schlechter Wetterprognose sind auch Handschuhe und wasserdichte Schuhüberzüge zu empfehlen.
In der Nacht brauchst Du eine funktionierende Beleuchtung für Dein Rad. Dazu gehören auch Reservebatterien. Eine Stirnlampe hilft beim Lesen der Wegweiser.
Zur Ausrüstung gehört auch Sitzcreme, Massageöl und Sonnenschutz!
Ein kleiner, wiederverschliessbarer Tiefkühlbeutel schützt Roadbook, Ausweis und Geldbörse vor Schweiss und Regen.

Begleitfahrzeuge
Ein Begleitfahrzeug ist nur bei der Kategorie 2er-Staffel für den Transport des abgelösten Teilnehmers nötig.
In den übrigen Kategorien ist ein Begleitfahrzeug eigentlich nicht nötig. Wir transportieren Dir ein Gepäckstück und den Schlafsack für die Uebernachtung zum Km 320 und zurück ans Ziel. Ausserdem bekommst Du an jedem Checkpoint Verpflegung.
Ein allfälliges Begleitfahrzeug darf den übrigen Verkehr nicht behindern.
Wenn Du losfährst, sollte das Begleitfahrzeug ca eine Viertelstunde warten bevor es Dir folgt. Nach einer Viertelstunde Fahrzeit wird es Dich eingeholt haben. Wenn alles OK ist, fährt das Begleitfahrzeug eine Viertelstunde lang weiter, sucht sich einen Parkplatz und wartet auf Dich. Nach einer weiteren Viertelstunde wirst Du es wieder eingeholt haben, und das Spiel beginnt von vorne. Mit dieser Fahrweise siehst Du dein Begleitfahrzeug jede halbe Stunde.

Verkehrsregeln und Sicherheit
Die Vortrittsregeln gelten nicht nur für die Andern! Verkehrsampeln bleiben im Durchschnitt 30 Sekunden auf Rot. Wer trotzdem durchfährt, liegt anschliessend (wenn er überlebt) vielleicht ein halbes Jahr im Spital?
Nimm Rücksicht auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Benutze die Radwege und Radstreifen. Trage einen Helm.
Sorge dafür, dass Du in der Nacht gesehen wirst. Trage Leuchtgamaschen und hefte Reflektorstreifen an dein Tricot oder an die Windjacke. Wenn Dir Dein Begleitfahrzeug direkt folgt, verdeckt es Dich vor den überholenden Autos - Kollisionsgefahr beim Wiedereinbiegen!

Windschattenfahren
Windschattenfahren erleichtert die Bewältigung langer Strecken wesentlich. Es will aber vorher geübt werden.
Auf nicht abgesperrten Strassen sind allzugrosse Gruppen gefährlich. Die ideale Gruppengrösse liegt bei 4 bis maximal 10 Teilnehmern.
Fahre nicht zu nahe auf. Es sollten mindestens 30 cm Abstand zwischen Hinter- und Vorderrad sein, und es sollte leicht seitlich versetzt gefahren werden.
Vermeide nervöse Fahrweise. Fahre nach Kreuzungen oder engen Kurven langsam an, so dass auch die Hintersten keine Zwischenspurts machen müssen.
Der Erste in der Gruppe trägt die Verantwortung für die Nachfolgenden. Warne rechtzeitig vor Lichtsignalen, Kreuzungen, parkierten Fahrzeugen und Bahngeleisen.
Wenn Du die Führung hast: versuche eine längere Zeit (ca 2 bis 3 Minuten) zu führen, weiche dann nach links aus und lasse Dich rechts überholen.

Planung
Setze Dich vor der Fahrt mit der Strecke und dem Streckenprofil auseinander. Plane Deine Zeiteinteilung und mache Dir eine persönliche Marschtabelle. Ein paar Stunden Schlaf in der Streckenmitte bringen Dir die nötige Erholung.

Gesundheit
Höre auf deinen Körper. Viele Ausdauersportler unterdrücken Beschwerden mit Schmerzmitteln. Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers und sollten weder ignoriert noch unterdrückt werden. Ausserdem kann die Einahme von Schmerzmitteln während grosser Anstrengung zu bleibenden Schäden führen. Wenn Du in den letzten 2 Wochen vor der Fernfahrt eine Erkrankung mit Fieber über 38 Grad erleidest, solltest Du den Arzt aufsuchen und ihm vom Vorhaben an der Fernfahrt teilzunehmen berichten. Wenn Dir dein Arzt den Start verbietet und Dir ein entsprechendes Zeugnis ausstellt, werden wir Dir dein Startgeld reglementsgemäss zurückvergüten.